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Als Tenor (Betonung auf der zweiten Silbe, Pl. Tenöre) wird sowohl die hohe männliche Gesangs-Stimmlage als auch ein Sänger (früher auch: Tenorist) mit dieser Stimmlage bezeichnet. Die Bezeichnung bildete sich mit der beginnenden Mehrstimmigkeit heraus, als man die Stimme, die den Cantus firmus hielt, Tenor (von lateinisch tenere „halten“) nannte, während die umspielenden Gegenstimmen Contratenor hießen.

Die Notation der Tenorstimme erfolgt normalerweise im nach unten oktavierenden Violinschlüssel. Teilt sich die Tenorstimme ein Notensystem mit der Bassstimme, beispielsweise bei SATB-Chorsätzen, die auf zwei Notensystemen notiert sind, wird sie untransponiert im Bassschlüssel notiert.

Tonumfang[]

Der Tonumfang der Stimmlage Tenor reicht von c (auch B) bis a' (auch c").[1] Das Zentrum der tenoralen Tessitur liegt in den meisten Partien zwischen f und g', der gesamte Umfang üblicher Partien zwischen c und a'. Seit dem Belcanto gelten die Spitzentöne über dem a' (das sprichwörtliche „hohe C“) als besonders emotionales Ausdrucksmittel und auch als tenoraler Leistungsausweis. In der alten Musik war der penetrante Klang des tenoralen Spitzentons dagegen nicht erwünscht. Dort sind Noten über dem a' selten zu finden.

In der Oper Mitridate, re di Ponto des 14-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart wird der Tenor im vollen Tonumfang von c bis c'' geführt, und zwar sowohl als Durchgangsnote als auch als exponierter Spitzenton. Der höchste Ton, der in der Opernliteratur für einen Tenor vorkommt, ist f'' (eine weitere Quart über dem hohen C), so zum Beispiel in Ensemblestellen der Oper La Cenerentola von Gioacchino Rossini und in der Arie des Arturo in der Oper I puritani von Vincenzo Bellini. Diese sehr hohe Tenorstimme, die vor allem bei Rossini Anfang des 19. Jahrhunderts Verwendung fand, wird auch als „tenore contraltino“ bezeichnet. Anzuzweifeln ist, ob diese Partien tatsächlich durchgehend mit Bruststimme gesungen wurden.

Eine andere dem „tenore contraltino“ sehr ähnliche oder identische hohe Variante der Tenorstimme ist der „haute-contre“, der aber im Gegensatz zum Countertenor nicht im Falsett, sondern wie auch der „tenore contraltino“ in der Bruststimme gesungen wird. Sie kommt vor allem in der französischen Barockmusik vor. Ein Beispiel ist die Rolle der Platée in der gleichnamigen lyrischen Komödie von Jean-Philippe Rameau.[2] Der Stimmumfang des „haute-contre“ geht von d oder e bis zum d''.

  1. Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1977; Taschenbuchausgabe: Wilhelm Goldmann Verlag, und Musikverlag B. Schott’s Söhne, Mainz 1979, ISBN 3-442-33003-3, S. 180.
  2. Tenor im Sondereinsatz. Interview mit dem Tenor Anders Dahlin zur Platée-Inszenierung in Düsseldorf auf RP-Online (Version vom 18. Januar 2013 im Internet Archive)
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